Was bedeutet Radikalsierung?

Radikalisierung bezeichnet einen Prozess, durch den Menschen oder Gruppen extremistische Positionen annehmen oder entwickeln. Die sich in diesem Prozess verändernden politischen, sozialen und religiösen Einstellungen prägen das Handeln und Denken gegenüber Anderen.
Menschen die sich radikalisieren wenden sich von den bestehenden gesellschaftlichen Verhältnissen ab. Meist verfolgen sie das Ziel, ein anderes politisches System zu errichten.

Was sind Ursachen von Radikalisierung?

Die Erforschung der islamischen Radikalisierungswege steckt in Deutschland noch in den Anfängen, da es sich um ein recht neues Phänomen handelt. Lange Zeit konnte dazu nur auf Daten der Sicherheitsbehörden und auf Studien aus dem Ausland zurückgegriffen werden. In Deutschland beschäftigen sich zunehmend viele Expertinnen und Experten mit den möglichen Ursachen einer islamischen Radikalisierung.

Die Radikalisierungswege sind individuell, es lassen sich aber gemeinsame biografische Aspekte erkennen:

• Identitätskrise durch mangelndes Zugehörigkeitsgefühl zur Mehrheitsgesellschaft und Diskriminierungserfahrung

• Erfahrung des Scheiterns, z.B. in Schule und Beruf, und eine daraus entstehende Perspektivlosigkeit

• Persönliche Brüche wie der Tod von Angehörigen, Scheidung der Eltern, Migrationserfahrungen, Gefängnisaufenthalte u. ä.

Radikalisierung wird außerdem beeinflusst durch:

• Salafistische Anwerbung, die eher im Umfeld von Moscheen, als in den Moscheen selbst passiert

• Anschließende Indoktrinierung in Kleingruppen, meist um einen charismatischen Anführer und

• Die Anziehungskraft des IS, der mit der Ausrufung des Kalifats einen Bezugspunkt für die salafistische Vision nach einem Gottesstaat geschaffen hat

Die individuellen krisenbelasteten Lebensumstände werden von salafistischen Gruppierungen gezielt ausgenutzt, indem sie die Betroffenen in dieser Situation in ihrer Gruppe aufnehmen, in der sie Wertschätzung und Anerkennung erfahren. Es wird ein einfaches und klares Weltbild vermittelt, in welchem die jeweilige Gruppe auf der Seite des Guten steht. Die Betroffenen erleben so in hohem Maße Sinnstiftung. Die Extremismusforschung zeigt, dass ähnliche Mechanismen auch bei der Zuwendung zu rechtsextremen Gruppierungen greifen.

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