Was ist der Islam? Und was Islamismus?

Das Wichtigste vorab: Islam bedeutet nicht Islamismus! Um den Unterscheid zwischen den beiden Phänomenen verstehen zu können, finden Sie hier je eine kurze Einführung.

Islam

Der Islam zählt neben dem Judentum und dem Christentum zu den drei monotheistischen Weltreligionen. Etwa 1,6 Milliarden Gläubige gehören dieser Religion an. In Deutschland wird die Zahl der Muslime derzeit auf 4,5 Millionen geschätzt. Die Mehrheit von ihnen sind Sunniten, gefolgt von einem kleinen Teil Schiiten und Aleviten.

Islam bedeutet wörtlich „Unterwerfung“. Damit ist gemeint, dass sich Menschen muslimischen Glaubens in ihrem Leben Gott (arab. Allah) unterwerfen und an die Offenbarung des Wortes Gottes im Koran glauben. Kern der religiösen Praxis gläubiger Muslime sind die so genannten 5 Säulen des Islams. Das sind: das Glaubensbekenntnis, die Pflicht fünfmal täglich zu beten, im Monat Ramadan zu Fasten, die Pilgerfahrt nach Mekka und das Almosengeben.

5 Säulen des Islam

Islamismus

 

Der Islamismus bezeichnet eine politische Ideologie, deren Ursprünge auf Reformbewegungen innerhalb des Islams in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zurückgehen. Die Kolonialisierungserfahrungen stellten die arabische Welt vor die Frage: Wie können wir uns behaupten? Wie finden wir zur einstigen Blüte zurück? Die Antwort der islamistischen Gruppierungen: Durch eine Staats- und Gesellschaftsordnung, die sich aus der Religion des Islam allein legitimiert. Der Islam und islamisches Recht sollen individuelles und gesellschaftliches Leben vollständig durchdringen. Dadurch werden Konzepte einer freiheitlich demokratischen Grundordnung wie Volkssouveränität, Menschenrechte, Pluralismus und Individualität infrage gestellt.

Der Salafismus als Teilströmung des Islamismus

Der Salafismus ist als eine Teilströmung des Islamismus zu verstehen. Die Gesellschaft, wie sie zur Zeit des „Urislams“ im 7./ 8. Jahrhundert in Medina bestanden haben soll, wird als Ideal betrachtet und soll wieder hergestellt werden. Das Leben des Propheten Muhammad und seiner Anhänger wird als Vorbild betrachtet. Salafistische Bewegungen streben eine radikale Umsetzung des islamischen Rechts, der Scharia, an und ein Gesellschaftssystem, in dem jeder Muslim der Pflicht, diese Gesetze zu befolgen, nachkommt. Zudem grenzen sie sich stark von Andersgläubigen ab.

Innerhalb des Salafismus lassen sich verschiedene Strömungen unterscheiden: Solche, die sich eher auf das Individuum stützen, indem sie eine reine Lehre und ein islamkonformes Leben anstreben, und jene, die eine politische Agenda verfolgen, die auf die Einführung der Scharia zielt. Eine dritte Gruppe sind die, die den bewaffneten Kampf in den Mittelpunkt ihres Denkens und Handelns stellen.

Jihadismus

Jihadismus ist eine Form des islamistischen Terrorismus. Anhänger des Jihadismus wollen ihre politischen Ziele durch den „Jihad“ (wörtl. Anstrengung), den bewaffneten Kampf, erreichen. Sie sehen den bewaffneten Kampf als eine Glaubenspflicht an, der angeblich durch den Islam gerechtfertigt wird. Diese Pflicht ist erst erfüllt, wenn die Niederlage der Feinde des Islam erreicht wurde. Der Begriff „Jihad“ wird nur auf den bewaffneten Kampf reduziert. Das wohl bekannteste Beispiel einer jihadistischen Gruppe ist al-Qaida.

Nicht alle Islamisten sind gewaltbereit

Islamismus geht nicht zwangsläufig mit Gewaltbereitschaft einher. So lässt sich zwischen gewaltbefürwortenden und betont gewaltfreien Strömungen unterscheiden. Bei gewaltgeneigten jihadistischen Strömungen lässt sich weiter zwischen solchen differenzieren, die Gewaltakte im eigenen Land planen, und solchen, die diese auch in anderen Ländern verüben.
Reformierte Strömungen des Islamismus sind nicht gewaltgeneigt und streben beispielsweise durch die Gründung eigener Parteien politische Partizipation an oder stützen sich auf aufsuchende Sozialarbeit, um Anhänger zu gewinnen.

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